07.05.2020 I Pressemitteilung zum drohenden Abriss des Studicafes "Cafete" während Corona Pandemie

Die „Cafete“, das Studentische Café der Biologie der FU-Berlin soll noch im Mai aus Brandschutzgründen abgerissen werden. Seit den 70er Jahren wird der Raum mitten im Foyer des Instituts für Pflanzenphysiologie und Mikrobiologie in der Königin-Luise- Straße 12 - 16a „PflaPhy“ von Studierenden als selbstverwaltetes Café, Büro und Aufenthaltsraum genutzt. Die Technische Abteilung hat den drohenden Abriss nicht konstruktiv mit den Studierenden diskutiert. Auch akzeptable alternative Räumlichkeiten wurden nicht angeboten. Janis (26) vom Cafeten-Team sagt: „Seit 40 Jahren ist die Cafete der Anlaufpunkt für Biologiestudierende – jetzt soll dieser Anlaufpunkt während der Corona-Krise verschwinden.“ Professor em. und Dekan des Fachbereichs (1978 – 1980) Randolf Menzel sagt über die Cafete: “Das studentische Büro der Biologie im Eingangsbereich der Pflanzenphysiologie und Mikrobiologie ist ein historischer Ort, den eine Universität nicht einfach abräumen kann, wenn sie eine Spur von Sensibilität für ihre eigene Geschichte hat.”

Tilman Schneider, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA FU), ergänzt: „Diese Vorgehensweise ist unverantwortlich und rücksichtslos und wird das studentische Leben am Institut langfristig schädigen. Besonders befremdlich erscheint uns, dass die pandemiebedingte Schließung der Universität als Deckmantel dient, um den unpopulären Abriss hinter dem Rücken der Studierendenschaft durchzuführen. Das ist ein Affront gegenüber allen Studierenden.“

Der kleine Raum mitten im Foyer vom Institut für Pflanzenphysiologie war ursprünglich wohl als Wachhäuschen geplant. Im Zuge der studentischen Proteste der 70er Jahre wurde der Raum von Studierenden besetzt, wird seitdem studentisch selbstverwaltet und nimmt eine zentrale Stellung im Campusleben ein.

Leider taucht die „Cafete“ nicht in den Bauplänen des mittlerweile denkmalgeschützten Gebäudes auf und im Foyer steht zusätzlich eine Freitreppe, wodurch das gesamte Foyer als Treppenhaus gilt. Obwohl zwischen Treppe und „Cafete“ viele Meter liegen, werden somit so hohe Brandschutzansprüche an den Raum gestellt, als handelte es sich um ein Treppenhaus.

Auf Basis einer neuen Brandschutzbegehung wurden Pläne für den endgültigen Abriss gemacht. Die Abrisspläne wurden der Studierendenschaft aber nicht direkt mitgeteilt, sondern nur auf explizite Nachfrage in kleinen Stückelungen übermittelt. Sämtliche Nachfragen der Studierenden, sowie Kompromissvorschläge in Form eines durch die Studierendenschaft finanzierten Umbaus wurden ignoriert. Stattdessen soll die „Cafete“ bis Ende Mai geräumt werden. „Nachdem die Technische Abteilung jegliche Kompromisse ablehnt, sind wir gezwungen, das ungeheuerliche Vorgehen öffentlich zu machen. Wir rufen alle Studierenden zur Solidarität auf. Lasst uns selbstverwaltete Freiräume verteidigen!“, so Mara (24), aktiv im Cafeten-Team.